Sonntag, 7. Januar 2018

sei. du selbst! das Meer

- Jahreszitat 2018 -

Das letzte Jahr hat mir fast die Stimme verschlagen. Die 2017er Luft, in die ich meinen Fuß zu setzen wagte, hat mich nicht getragen. Statt dessen bin ich ungeerdet abgestürzt. So viel Schmerz war nie.

Ich bin noch da. Ich hoffe, dass 2018 leichter wird, lebbarer. Dass ich mir meine Mitte zurückerobere und die Farbe meiner Stimme wiederfinde.

Mit dem 'Motto' für 2018 kehre ich ans Wasser zurück, das tosende Sanfte, eiskalt Heitere.

Buhne mit Möwe / Heiligendamm, Ostsee

Der Mond in den Fischen
Wir sind - als Frauen - zyklische Wesen,
wir leben und lieben die Zyklen im Fluss und Überfluss
die Seelen am Wasser gebaut,
mit ozeanischen Gefühlen
zieht es uns immer wieder hin -
zum Meer.

Das salzige Wasser, das paradoxerweise uns erdet,
das Meer, das den Boden nicht versumpft, sondern festigt,
uns Basis gibt und Halt - nicht nur unter den Füßen
sondern der Seele in sich.

Weil das so ist mit uns,
weil der Zyklus der Wasser der unsrige ist und uns ruft
müssen wir ans Meer gehen so oft es geht,
immer einmal öfter als nötig
und noch einmal mehr
ans Meer.

Erst wenn du merkst, dass es nicht das Meer ist allein,
das deine Sehnsucht stillt;
wenn du an der Wasserkante stehst und es näher nicht geht
und es dich doch
immer noch ruft -
oder wenn es einmal keine Gelegenheit gibt,
deinen Körper zum Meer zu bewegen
dann tauche hinein!

tauche tief.
in dich.
und sei.
du selbst!
das Meer.

Dieses Stück lyrische Prosa entstand im Winter 2016/17, ich hatte den "Mond in den Fischen" aus meinem Geburtshoroskop einer Freundin geschenkt. Mit ihrer Erlaubnis mache ich diesen Text einem größeren Publikum lesbar und küre die letzten drei Zeilen zu meinen Begleitworten für das Jahr 2018.

sei. du selbst! das Meer.

Möge Euer Jahr 2018 ein Gutes sein!

Dienstag, 14. November 2017

Am Sack packen

Wir sehen es täglich. Im Straßenleben. In der U-Bahn. Im Kaufladen. Im Museum. Überall, wo Männer gehen und stehen. Ein Mann packt sich am Sack. Sackpackmann. Nicht nur im Ausland. Auch deutsche Männer tun es. ‚Südländisch‘ aussehende Männer tun es (gefühlt) noch viel öfter. Und noch viel öffentlicher.

Mann packt am Sack

Der Tourist auf dem Foto, bevor er fotografiert wird: Er posiert im Triumphbogen eines antiken Amphitheaters in der Türkei.

Freitag, 25. August 2017

Es war einmal ein Minijob

Prekär wie das Leben heutzutage so ist, freut sich unsereins kreative Hochbegabte über jede Stellenausschreibung, die über die Minimalqualifikation Putzfrau oder Regalauffüllerin hinausgeht.

Auch wenn der Mindestlohn derselbe bleibt – man ist doch dankbar, wenn man auch den gut ausgebildeten Kopf ein bisschen benutzen darf und wenn es bei der Arbeit nicht allzu unangenehm ist. Was mich betrifft, sollte es nicht stinken oder sonstewie eklig sein. Es darf – wegen der Reizfilterstörung – auch nicht zu laut oder zu turbulent sein.

Mit dem Fahrrad zur Arbeit*

Einen solchen Job hatte ich das Glück, kurz nach meinem Neustart in Rostock zu finden. Einen Tag nur, nachdem die Jobcenterbratze mich begrüßt hatte mit den Worten „Wenn Sie nicht stressresistent sind, dann gibt es in dieser Gesellschaft keinen Platz für Sie. Dann müssen Sie in eine Behindertenwerkstatt!“

Dienstag, 15. August 2017

Kleine Fluchten

- ein mittlerer Wutausbruch -

„Kleine Fluchten“ – ach wenn sie doch möglich wären!

Seit gut zweieinhalb Jahre lebe ich nun schon „hier oben an der Ostsee“ oder auch „dort, wo andere Urlaub machen“. Das heißt ja nichts anderes, als dass ich anderen beim Urlaub machen zusehe, ohne selbst jemals welchen zu haben.

Seeterrasse Wilhelmshöhe

Hier an der mecklenburgischen Ostseeküste rechts und links von Rostock sind es hauptsächlich Deutsche, die Urlaub machen. 

Montag, 14. August 2017

Ulja Krautwald - Einmal noch mit Hans

- eine Buchempfehlung -

Mein Hans hatte einen anderen Vornamen – aber meine Art der Besessenheit war die gleiche. In allen Zellen meines Körpers schleppte ich einen Mann mit mir herum, und ich schleppte so sehr an ihm und zu ihm hin, dass es nicht nur mir, sondern auch ihm lästig wurde. 



Ulja Krautwald hat mit ihrer erotischen Liebesgeschichte „Einmal noch mit Hans“ das Protokoll einer Obsession abgeliefert, wie es ergreifender nicht sein kann. Jenseits aller Logik. Getragen von Sehnsucht und sinnlichen Alpträumen.