Freitag, 30. Dezember 2016

Jahreszitat 2017

Same procedure as every year – seitdem ich im Jahr 2009 mit dem Bloggen begann ...
Spätestens an den kurzen Tagen, in den langen Nächten zwischen den Jahren ist es Zeit, mir für das kommende ein neues Geländer zu geben, eine Richtung, einen Schutz, eine Leitplanke, einen Trost, einen Ansporn – was auch immer mir wichtig scheint, wie auch immer ich es nennen mag: 

Es ist Zeit für mein neues „Jahresmotto“, und dieses Mal wage ich ein großes Paradox!

Warnemünde Westmole - Winterlicht

Die geduldigen Bratkartoffeln in 2016 haben mich nicht sonderlich weitergebracht, aber immerhin dabei geholfen, mich im neuen Leben weiter zu erden; Tag für Tag und Schritt um Schritt mehr anzukommen in einem Land, das zwar zu Deutschland gehört, aber noch längst nicht meine Heimat ist.

Denn, so sehr ich das nahe Wasser auch liebe, trotz alledem fühle ich mich am neuen Ort immer noch unendlich verloren, so gnadenlos ist der Beton, so eiskalt der Nordosten.

Wie zur besseren Bodenhaftung habe ich vier Kilogramm zugenommen in den letzten zwölf Monaten. Das ist nicht weiter tragisch, nachdem ich 2013/2014 mehr als 25 kg abgespeckt hatte. Aber fürs nächste Jahr will ich wieder leichter sein. Ich will fliegen lernen!

Wann immer ich die Kitesurfer sehe an meinem ‚Hausstrand‘ in Warnemünde, denke ich sehnsüchtig: DAS will ich auch können. Es ist beileibe keine Frage des Gewichts, sondern eine von Übung, Mut, Ausdauer und Koordinationsvermögen (nur nachrangig auch eine finanzielle). Noch träume ich von einer SeniorInnenversion des Anfängerkurses 'Drachenreiten für ambitionierte alternde Damen'. Bis es den gibt, habe ich hoffentlich auch das Geld dafür zusammengespart.

Materiell hingegen habe ich mich weiter minimiert, habe mich ein weiteres Jahr lang (nun schon das dritte!) fast täglich von alten Dingen getrennt und damit auch von meinem bisherigen Leben, von meiner Jugend. Ich habe losgelassen und Ballast abgeworfen. Habe bestmöglich Raum geschaffen in dieser Winzwohnung und mir Luft gemacht. Es war immer noch nicht genug, es ist immer noch zu viel altes Zeug da. Diese Aufgabe bleibt mir in 2017 erhalten.

Das merke ich vor allem daran, dass mir das Atmen nicht so recht gelingen will. Ich kriege einfach nicht richtig Luft. Nicht einmal, wenn ich die schöne See sehe. Wie enge Klammern liegt das schwierige schwere Leben um meine Lungen, gerade so wie die eisernen Ketten von Heinrich, dem treuen Diener des verwunschenen Froschkönigs. Das Einatmen stockt und lässt mich husten, beim holprigen Ausatmen breche ich in Tränen aus.

Fliegen lernen allein reicht also nicht. Ich muss fliegen lernen und mich gleichzeitig erden. Ich muss Vertrauen lernen und loslassen trotz aller Panik, einmal mehr in meinem Leben hart aufzuknallen. Mit welch leichtem Leit-Gedanken im Kopf mir das gelingen könnte – darüber habe ich lange gebrütet.

Erst dachte ich, es könnte funktionieren mit ‚Per Anhalter durch die Galaxis‘ von Douglas Adams. Der ließ Ford Prefect über das Fliegen sagen: „Es ist eine Kunst, oder vielmehr ein Trick zu fliegen. Der Trick besteht darin, dass man lernt, wie man sich auf den Boden schmeißt, aber daneben.“

Für den Anfang und zum Üben aus geringer Höhe ist das vielleicht gar nicht so schlecht. Schlecht ist allerdings, dass der Boden quasi der Feind des Fliegens bleibt. Das kann ich nicht brauchen, denn ich will mich ja gleichzeitig erden!

Doch dann fand ich – quasi in letzter Minute des alten Jahres – noch ein Zitat der von mir so verehrten Hilde Domin:

„Ich setzte den Fuß in die Luft – und sie trug.“

So kann es gehen, mein wagemutiges Paradox! Die Luft selbst soll mein Boden sein, mich neue Schritte wagen lassen und neue Wege möglich machen - ohne dass ich mir gleich den Hals breche.

Ich geh dann schon mal üben. Spätestens Ende des Jahres werde ich darüber berichten, ob und wie mir das gelungen ist.

Euch allen ein erfreuliches, ein gutes Neues Jahr 2017!

Kommentare :

  1. Ganz herzliche Geburtstagsgrüße in Zeiten der Grippe! Thymi

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    1. Liebe(r?) Thymi!
      Vielen Dank für die Grüße - und auch für Dich ganz viel Gutes in 2017!
      mo jour

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